Musik-News: Neue EP von Eliza Shaddad

Die Fakten:

Künstlerin: Eliza Shaddad
Das ist neu: EP Sept – Dec
Das steht an: Europa-Tour (Konzert in Zürich am 31. Januar, in Berlin am 3. Februar)

Die Analyse:

Sept – Dec heißt die neue EP von Eliza Shaddad. Das Album Future, auf das sich die EP beziehen soll, schlug schon 2018 ein und wurde unter anderem von den Sunday Times, BBC, und dem deutschen Rolling Stone gelobt. Auf Sept – Dec sind nun drei neue Songs gelandet. Alle sind sie gefühlvoll und lebendig, lassen aber auch eine gewisse Rastlosigkeit zu, was sicher auch etwas mit Shaddads Lebensweg zu tun hat: Vor ihrem Philosophie-Studium und der Jazz-Ausbildung wuchs die britisch-sudanesische Musikerin in sieben Ländern auf.
Der erste Titel „One Last Embrace“ ist düster und mysteriös, Shaddad bringt hier aber auch viel Energie mit und experimentiert mit Geräuschen, Rock-Atmosphäre und viel Bass. „Same As You“ wird passend zum Thema – es geht um die Gedanken eines Teenagers – etwas melodiöser und verträumter. Den Abschluss bildet das ruhige „Girls“, ein schöner Dream-Pop-Song.

CHILDREN: Meisterinnen der Kombination

Die Freundinnen Steffi Frech und Laura Daede meistern mit ihrem neuen Album einen Spagat. In Hype (erscheint am 31. Januar) treffen moderne Melodien auf Retro-Synthesizer, deutsche auf englische Texte und ländliche Idylle auf Großstadtgefühle. 

Die Sängerinnen sind im Norden Deutschlands aufgewachsen und kennen sich seit ihrer Kindheit. Inzwischen hat es die beiden nach Berlin verschlagen, wo sie als CHILDREN zusammen Musik machen. Nachdem sie im vergangenen Jahr die Jungs von Von wegen Lisbeth auf Tour begleitet haben, starten sie diese Woche ihre eigene Konzertreise durch Deutschland.
Der Song “Forever und Ewig” gibt kleine Einblicke in jugendliche Abenteuer der beiden. Im Musikvideo machen sie sich auf eine wilde Reise durch die sommerliche Landschaft Mecklenburg-Vorpommerns. “Wir arbeiten uns ab. Ich sage alles ab. … Ewig geht genau bis jetzt und hier” singen die Freundinnen und rufen bei einem die Erinnerungen eines unbeschwerten Sommers hervor. In fast allen Songs wird der klare Gesang der zwei untermalt von einer Basslinie, die mindestens zum Mitwippen anregt. Spätestens der Synthesizer, der in den Refrains der Lieder auftaucht, sorgt dann für das Bedürfnis, zu tanzen. Dazu kommen humorvolle, teilweise nachdenkliche Liedtexte. Der Song “Hype” macht einen stilistischen Abstecher in die 80er Jahre und ist schon nach dem ersten Mal Hören ein Ohrwurm. 

Fazit: Sommerliche Vibes, Zeitreisen durch Synthie-Sounds und nicht zuletzt eine gute Freundschaft: Mit der Bezeichnung „Future-Retro-Pop“ haben CHILDREN ihre Musik schon selbst wunderbar zusammengefasst.

  • Meilensteine:
    • 2020 Hype (VÖ 31.1.)
  • Umleitung:

Autorin:

Carla Blecke für Musik unterm Radar

Evan Klar: Tonmaler und Weltenbummler

Gelassen, leichtfüßig und überraschend berührend – das ist der Selfmade-Pop von Evan Klar. Ein Musiker, der von überall und nirgendwo kommt.

Geboren in Australien trieb es ihn nach Singapur, Deutschland und Großbritannien, heute pendelt er zwischen Melbourne und Berlin. Er macht Musik, wie sie nur die Leichtigkeit des Unterwegsseins komponieren kann. Klar ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. In seinem Schlafzimmer lässt er Tag und Nacht Tonkunst entstehen, schreibt über Dinge, die er selbst erlebt hat. Mal spricht der coole Aussie, der die Klänge strahlen lässt, mal ein junger Mensch, der schwierige Etappen hinter sich hat und seine Melancholie in Lässigkeit verpackt. Inspiriert von großen Namen der Filmmusik wie Philip Glass und Hans Zimmer, arbeitet er mehr mit dem Ansatz eines „Tonmalers“ als mit dem eines typischen Popmusikers.
Das Lied „Sleep“ setzt beispielsweise mit einem Klangteppich aus Atemgeräuschen, Regentropfen und atmosphärischen Klängen ein und schafft damit eine groovige, mysteriöse und dennoch warme Ästhetik. Klar beschreibt es als „Beginn, der Anfang des Erwachsenwerdens, ein Auftakt… wie jemand, der in einem Traum aufwacht“. Diese Empfindung trägt auch der Track „Shoulders“ in sich, den Evan für seinen großen Bruder schrieb, der damals im Krankenhaus lag. Und doch wird deutlich, dass da jemand die Worte aneinanderreiht, der das Leben nicht allzu ernst nimmt. Der frisch erschiene Track „I Do“ erzählt von einer Frau, die ihr altes Leben hinter sich lässt und zu neuen Ufern aufbricht. Den kleinen Jungen in dem dazugehörigen Video möchte man am liebsten an die Hand nehmen, um mit ihm mitzutanzen. Evan Klars Musik kommt nie ohne Fröhlichkeit daher, zeigt sich energetisch und geht trotz experimenteller Elemente (etwa ein kaputter E-Bass oder Gesang durchs Telefon) leicht ins Ohr. Facettenreich macht ihn auch die Idee des Pop-Sängers als „Kollektion von Persönlichkeiten“, die bei seiner Musik mitschwingt und in „Follow me“ zusammen mit dem Elektronik-Duo SŸDE gut gelingt.

Fazit: Wer sich wie ein Reisender auf dem Weg zum Meer fühlen und dem Fernweh freien Lauf lassen möchte, muss nicht gleich in den nächsten Zug oder VW-Bus steigen. Es reicht auch einfach, den Klängen von Evan Klar zu lauschen – oder man macht einfach beides.

  • Meilensteine:
    • 2017 Debut Deepest Creatures
  • Umleitung:

Autorin:

Clara Hümmer für Musik unterm Radar

Tiwayo: auf den Spuren von Soul und Blues

Er kommt aus den für ihre Armut bekannten Banlieues, den Vororten von Paris, und kam über die Blues- und Rock’n’Roll-Platten seiner Eltern auf den Geschmack alter amerikanischer Musik-Legenden. Nach ausgedehnte Reisen nach New Orleans, Chicago und Memphis steht Tiwayo nun mit beiden Beinen in der Musik.

Tiwayo hat in der Szene schon so große Wellen geschlagen, dass sogar Star-Produzent Tony Visconti (David Bowie, Morrissey, The Boomtown Rats) auf ihn aufmerksam geworden ist. Für sein erstes Album The Gypsy Soul of Tiwayo schickte der Musiker auf gut Glück Demos an Black Keys-Produzent Mark Neill, der sofort zur Zusammenarbeit bereit war. Weiter spielte er unter anderem für Sting, Seal und Norah Jones als Vorband.
Seine bluesige Stimme brachte Tiwayo seinen Spitznamen „The Young Old“ ein und ist ohne Frage sein Markenzeichen. Ebenfalls besonders ist sein markantes Gitarrenspiel. Die Songs auf seinem Album klingen alle passend zum Titel rastlos und nach der großen Suche. Trotzdem ist jedes Lied anders: mal geswingt, mal soulig, aber auch mal mit deutlichen Einflüssen aus dem Reggae. Durchgängig aber findet man eine simple Eleganz; ohne viel Werkzeug schafft Tiwayo zeitlos gute Musik, die im Ohr bleibt.

Tiwayo ist momentan eine der großen Entdeckungen. Seine „Gypsy Soul“ wird ihn sicherlich noch auf verschiedenste Bühnen bringen und ihm hoffentlich noch die ein oder andere Melodie eingeben.

Ragtime Rumours: Multiinstrumentalisten aus Holland

Mehrstimmiger Gesang, Akustikgitarre, Banjo, Kontrabass, Flöte, Baritonsaxophon, Schlagzeug, Kazoo, Waschbrett – die Liste könnte noch weiter gehen, wenn man alle Instrumente aufzählen würde, die man in den Liedern der Ragtime Rumous heraushört.

Die Ragtime Rumours sind zwar nur zu viert, bringen aber Instrumente für ein halbes Orchester mit. Angefangen haben Tom Janssen, Niki Van Der Schuren, Thimo Gijezen und Sjaak Korsten mit Gigs in kleinen Bars und als Straßenmusiker. Inzwischen gewinnen sie namenhafte Preise, beispielsweise bei der European Blues Challenge – und auch bei deren internationalen Pendant in Memphis, Tennessee waren sie schon dabei und repräsentierten ihre niederländische Heimat.
Die Musik der Band ist genretypisch rhythmisch und flink. Gespickt sind die packenden Songs mit Call-and-Response-Passagen und Soli. Die raue Stimme von Lead-Sänger Janssen passt wunderbar zur Begleitung (ganz besonders zum weichen Klang des Baritonsax), der Drummer steuert mal treibende Rhythmen und mal zurückhaltende Untermalung bei.

Fazit: Die Ragtime Rumours sind vier Profis. Die Multiinstrumentalisten beherrschen ihr Metier und scheinen trotzdem nicht den Spaß am Musikmachen vergessen zu haben.

Der Tipp zu dieser Band kam von Thursdaynext vom Buchblog Feiner reiner Buchstoff. Vielen Dank dafür!
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10 Highlights aus 2019

Wieder ein Jahr vorbei, das nächste steht schon in den Startlöchern und damit geht schließlich ein ganzes Jahrzehnt zu Ende. Pünktlich zu Silvester lassen wir es krachen und präsentieren die vielversprechendsten Bands aus 2019, darunter absolute Profis und Hobby-MusikerInnen gleichermaßen. Eine Top-10-Rangliste wird so viel toller Musik nicht gerecht und noch dazu war die Auswahl ohnehin schon hart, deshalb geht’s alphabetisch zu. Viel Spaß, frohes Feiern und einen guten Start in 2020 wünscht die Musik-unterm-Radar-Redaktion.

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1. Achinoam Nini

Die beeindruckende israelisch-amerikanische Musikerin Noa stand schon mit Sting und Stevie Wonder auf einer Bühne und hat mit Letters To Bach ein bemerkenswertes Album herausgebracht. Einen Eindruck vom Konzert gibt es im Live-Report.


2. Adelle Nqeto

Nur mit einer Gitarre und ihrer tollen Stimme schafft die junge Solo-Musikerin Adelle Nqeto eine ganz besondere Stimmung in ihrer Musik.

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Soeckers: Münsteraner Garagen-Sound

Was die Bandmitglieder von Soeckers von Anfang an verbunden hat, ist nach eigener Aussage „das Bedürfnis, sich die Schnapsflasche bei Songs zu teilen, die mehr Vinyl als MP3 sind“. Na dann Prost!

Ihr VW-Bus hat die Band schon zu an die 100 Konzerten gebracht – Studioaufnahmen waren bisher allerdings noch Mangelware. Das soll sich 2020 ändern, wenn die vier wie geplant ihr Debutalbum veröffentlichen. Als Weihnachtsgeschenk und Vorbote haben sie mit „Halt mich“ eine erste Single vorgestellt.
Diese Single lässt schon durchblicken, wo Soeckers mit ihrem Album hinmöchten. Die raue Stimme des Sängers erinnert an AnnenMayKantereit, der Text ist auf deutsch und die Begleitung gut abgeschmeckt: dreckiger Rocksound in der Gitarre, schön softe Übergänge im Bass, der Schlagzeuger baut den Klang zum Finale auf, kann sich aber auch zurückhalten.

Fazit: Eine Band, die schon so viel gemeinsame Live-Erfahrung hat, ist erwartungsgemäß gut eingespielt und auf einander abgestimmt. Zwar ist ein Album nun eine andere Geschichte (so ganz ohne Bühnenpräsenz und Publikum) – den Jungs vertraut man aber schnell, dass sie auch dafür ein Händchen haben. Die Single lässt jedenfalls schon einiges erhoffen.

Virgin Tears: Sphärischer Post Punk

Melancholisch, düster und geheimnisvoll klingen die Virgin Tears. Wenn das kein guter Start in die dunkle Jahreszeit ist…

Vor einem Jahr gründeten die Sängerin und Gitarristin Linda Lace und der Bassist und Schlagzeuger Anthony Forest in Hamburg das Duo Virgin Tears. Pünktlich zum ersten Geburtstag veröffentlichten die beiden im September ihre erste EP The Beauty Of Broken People.
Durchdringend liegt Linda Laces Gesang auf der sphärischen Gitarre und dem stabil durchlaufenden Beat. Die beiden machen Musik ohne Schnickschnack: Es gibt keine Schnörkel, keine Verzierungen, stattdessen arbeiten sie mit eindrücklichen Klängen, vielen sich wiederholenden Einzeltönen in Gitarre und Bass, passagenweise Akzenten und jeder Menge Hall. Das Duo kreiert so eine besondere Stimmung, die fasziniert.

Fazit: Trotz der Einfachheit und der gewollten Monotonie in Melodie und Begleitung klingen die Songs von Virgin Tears durchdacht und lassen es zu, schon nach wenigen Takten des Zuhörens ganz in die Musik einzutauchen.

  • Meilensteine:
    • 2019 EP The Beauty Of Broken People
  • Umleitung:

Into My Vault: eiserner Rock von der Elbe

Schön gitarrenlastig, eine markante Stimme und vielseitige Songs – so wünscht man sich eine Rockband und so klingen auch Into My Vault. Dieser Eindruck steht schnell fest und das, obwohl es von der Band erst ein paar einzelne Singles zu hören gibt, denn das erste Album ist noch in der Mache.

Into My Vault ist noch ziemlich jung: erst 2017 hat sich die Hamburger Band gegründet. Seither sind sie gut beschäftigt: Gemeinsam mit der amerikanischen Produzentin Sylvia Massy – bekannt für ihre Arbeit mit Johnny Cash, R.E.M und die Red Hot Chili Peppers – entstanden schon zwei Singles, einer ihrer Songs wurde für ein Fernsehformat von VOX verwendet und mit Peter Keller (Teil der Peter-Maffay-Band) wird gerade an einem Album gewerkelt.
Vom Sound her geht es hauptsächlich klassisch rockig zu, wie in der neuen Single „What You Feel“: treibende Drums, Reibeisenstimme, Overdrive. Trotzdem beweisen Into My Vault aber, dass sie auch ruhiger können. „Sacred Place“ strahlt Gelassenheit aus, auch eine Portion Melancholie ist dabei. Simpel gestrickte und voraussehbare Mitsingstrophen sucht man bei der Band allerdings vergeblich. Stattdessen gibt es kreative Melodieführungen, Spannungsaufbau und einen stimmigen Gesamtklang.

Fazit: Obwohl es noch nicht einmal ein fertiges Album von ihnen gibt, haben Into My Vault schon hohe Wellen geschlagen – und die Tendenz geht weiter nach oben. Also am besten jetzt reinhören, wo die Truppe noch als Geheimtipp zählt…

Raisa Kovacki: Pop-Nachwuchs aus Wien

John Mayer und Norah Jones nennt die österreichische Singer/Songwriterin Raisa Kovacki als ihre Vorbilder. Die Musikerin steht noch ganz am Anfang ihrer Karriere, was sie bisher von sich hören ließ, ist aber vielversprechend.

Raisa Kovacki schrieb schon als Jugendliche eigene Lieder, inzwischen ist sie Anfang zwanzig und hat ihre Basis in Wien, wo sie auch immer wieder auftritt. Ein vollständiges Album gibt es von der Solokünstlerin bisher noch nicht, auf ihrem YouTube-Kanal finden sich dafür einige schöne Cover und Songs aus eigener Feder – und seit heute kann man auch ihre Single „Sweet Talk“ streamen.
Die Stimme der jungen Sängerin wirkt bereits recht ausgereift, Kovacki singt gelassen und angenehm. Auch ihr Gitarrenspiel ist versiert und wird von der Singer/Sonwriterin stilvoll eingesetzt. Gerade die neue Single klingt dafür etwas frecher und es geht durchaus ein Drang zum Mitwippen damit einher.

Fazit: Raisa Kovacki macht zwar schon einige Jahre Musik, im Grunde hat ihr Dasein als Musikerin aber gerade erst begonnen. Kovacki singt Pop-Songs, hat aber auch Elemente aus dem Jazz parat und präsentiert so eine schöne Varianz.