June Cocó: Pop neu gedacht

Mit dem Titel „The Road“ für ihr Debutalbum hat June Cocó von Anfang an klargemacht, was ihr vorschwebt: los in die Welt mit Tatendrang.

June Cocó machte sich mit der Veröffentlichung ihres ersten Albums gleich auf in verschiedene europäische Städte und konnte wohl sogar schon Schauspieler George Clooney auf ihre Musik aufmerksam machen. Ab Oktober ist die Sängerin und Pianistin auf ausgedehnter Deutschlandtour, aktuell läuft außerdem eine Crowdfunding-Kampagne für ihr zweites Album.
Mit aufgeweckter Art und sehr vielseitiger Stimme kombiniert June Cocó klassische Pop-Melodien mit elektronischen Effekten und aber auch konventioneller Instrumentation. Die Musikerin bringt so spannende Komponenten zusammen, geht mit der Zeit und liefert trotzdem eingängige Songideen. Ihre Lieder haben Schwung und selbst in den sanfteren Passagen hört man durchaus einiges an Kraft in ihrer Stimme.

Fazit: June Cocó ist eine vielversprechende neue Künstlerin in der deutschen Pop-Szene. Ihr Selbstbewusstsein, das man in den Songs spürt, ist ohne Frage gerechtfertigt.

June Cocó war ein Musiktipp von Thomas Wolff. Auf seiner Website Auf die Ohren stellt er mit großer Bandbreite seine Lieblingsmusik vor. Bekannte Künstler sind genauso vertreten wie absolute Geheimtipps, ein Besuch lohnt sich bestimmt.

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Hannah Stienen: Deutschpop-Debut

Die Musik hat die junge Sängerin Hannah Stienen schon auf spannende Wege geleitet. Durch Fernsehauftritte kam sie früh an ein bundesweites Publikum, jetzt geht sie das Projekt von eigenen, größeren Veröffentlichungen an.

Den jüngeren Leserinnen und Lesern, die 2014 noch zu den KIKA-Guckern gehörten, könnte Hannah Stienen auch aus dem Fernsehen bekannt vorkommen. Zweimal nahm die zu dem Zeitpunkt jugendliche Musikerin an der Talentshow „Dein Song“ teil, fuhr mit nach Ibiza, um an ihren Songs zu werkeln, und schaffte es im zweiten Anlauf schließlich sogar ins Finale. Der Spaß am professionellen Musikmachen muss spätestens da geweckt worden sein – inzwischen hat es sie nämlich in logischer Konsequenz an die Folkwang Universität für Künste nach Essen verschlagen. Ihr erstes Album Loslassen ist seit Ende August erhältlich.
Hannah Stienen schreibt im positiven Sinne radiotaugliche Songs aus der Deutschpop-Ecke. Ihre Lieder sind nachdenklich und gefühlvoll getextet, die Melodien haben Ohrwurmcharakter. Die sanften Texte singt sie mit klarer, fokussierter Stimme und als Basis für ihren Gesang reicht ihr manchmal eine simple Gitarren- oder Klavierbegleitung, mal wartet sie mit komplettem Bandsound auf.

Fazit: Früh angefangen, ist Hannah Stienen mit ihrer musikalischen Leidenschaft bisher immer am Ball geblieben. Es dürfte spannend werden, wo man ihrer Musik in den nächsten Jahren alles über den Weg laufen wird.

  • Meilensteine:
    • 2011 „Dein Song“-Teilnahme
    • 2014 „Dein Song“-Finalistin
    • 2019 Debut Loslassen
  • Umleitung:

Musik-News: Neue Single von Robert Horace!

Die Fakten:

Künstler: Robert Horace
Das ist neu: Single „Why Not“

Die Analyse:

Nach seiner EP Take Off hat Robert Horace (hier geht’s zum Künstler-Portrait) mit seiner Single „Why Not“ einen neuen Song veröffentlicht. In dreieinhalb abwechslungsreichen Minuten bleibt Horace seinen poppigen Singer-Songwriter-Wurzeln treu und beweist gleichzeitig einiges an musikalischer Energie. Der charakteristische Gesang trifft auf eine energische Gitarre mit scharfen Pausen, kraftvoll baut der Musiker den Song bis zum letzten Refrain auf. Der Spagat zwischen dem Klang einer vollen Band durch die Ergänzung von Schlagzeug, Klavier und Trompete einerseits und dem Spannungsaufbau durch bewusst wenig Instrumentation und dafür starken Gesang andererseits, gelingt wunderbar.

Musik-News: Killerpilze bringen vorerst letztes Album heraus

Die Fakten:

Band: Die Killerpilze
Das steht an: Vorerst letztes Album Nichts ist für immer… (VÖ 06.09.19)

Die Analyse:

Zugegeben, so ganz unter dem Radar spielen die Killerpilze nun nicht, eher im Gegenteil: Schon seit ihrer Teenagerzeit haben die drei Jungs bei den Großen mitgespielt, jetzt sind sie alle um die 30 und starten noch ein letztes großes Ding zusammen. Nichts ist für immer… kommt am Freitag auf den Markt und ist ein Album, wie man es von den Killerpilzen kennt: harte, treibende Schlagzeugrhythmen, Overdrive, spannungsgeladene Melodien, Powerchords, Refrains zum Mitgrölen. Das Trio spielt mit Stimmung – und ab und an hört man doch auch ein wenig Wehmut heraus, immerhin sind seit ihrer Gründung als Schülerband nicht weniger als 18 Jahre vergangen. Insgesamt ist Nichts ist für immer… ein abwechslungsreiches Punkrock-Album, wie gewohnt mit deutschen Texten und viel Energie. Kurz gesagt: Ein gelungener Abschluss.

Lui Peng: Electro zum Relaxen

„Chillig“ ist ein Wort, das hier vermutlich noch nie zum Einsatz kam. Aber nicht um sonst wird die Musik von Lui Peng des öfteren so beschrieben, denn man muss zu geben: Das trifft es ziemlich genau.

Der chinesisch-britische Künstler Lui Peng lebt in London und hat vergangenes Jahr neben mehreren Tracks bereits eine EP herausgebracht. Noch recht neu ist seine Single „Just A Phone Call Away“. Für diesen Herbst ist die Veröffentlichung seiner EP Unavailable geplant.
Typisch für Peng ist sein sehr unaufgeregter Sound und die samtweiche Stimme. In seinen Aufnahmen setzt der Musiker viel auf elektronische Effekte, aber auch ganz akustisch mit Gitarre funktioniert seine Musik. Lui Peng verbreitet mit seinen Songs eine schwebende Stimmung und bietet einen Gegenpol zu lautaufzudrehender Rockmusik.

Fazit: Lui Peng liefert den Soundtrack für einen entspannten Nachmittag. Ganz ohne Hektik macht der Sänger Songs, die einen abschalten lassen.

Nina Reddig im Interview: „Ein Festival ist ein Gesamtkunstwerk, kein poliertes Hochglanzobjekt“

Selbst Musik zu machen ist eine Sache. Etwas völlig Anderes ist es dagegen, eine Musikveranstaltung zu organisieren. Dieses Mal soll der Fokus ausnahmsweise einmal nicht auf den Musikern liegen, sondern auf den Geschehnissen hinter den Kulissen. Nina Reddig ist professionelle Geigerin und organisiert dieses Jahr zum fünften Mal das Langenberg-Festival für klassische Musik in Langenberg, Nordrhein-Westfalen. Welcher Aufwand dahinter steckt, was das Geheimnis eines erfolgreichen Festivals ist und warum gerade die Nachwuchsförderung und der Austausch zwischen Musikern und Publikum wichtig ist, das hat Reddig Musik unterm Radar verraten.

Musik unterm Radar: Frau Reddig, Sie haben schon in verschiedenen Konstellationen Musik gemacht, unter anderem solistisch und als Konzertmeisterin, bis vor kurzem waren Sie außerdem Dozentin für Geige an den Hochschulen in Essen und Bremen. Als Musikerin sind Sie nun eigentlich keine professionelle Eventmanagerin. Was hat Sie dennoch vor fünf Jahren das erste Mal dazu gebracht, ein Festival zu organisieren – mit all der Arbeit, die damit einhergeht?

Nina Reddig: Ich weiß noch, dass ich irgendwann im Eiscafé saß und es einfach „klick“ gemacht hat. Ich wohne schon seit Ende meines Studiums in Langenberg und habe immer wieder festgestellt, wie viele wunderschöne Konzertsäle es hier im Ort gibt. Ich dachte mir: Wenn ein Festival, dann hier. Dann habe ich überlegt was ich brauche – Künstler, Spielstätten und zwei, drei Leute, die mir helfen. Im Grunde habe ich dann einfach losgelegt und Stück für Stück dabei gelernt, was man können muss, vom Veranstalter bis zur Haftpflichtversicherung.

Langenberg hat knappe 16.000 Einwohner und wirkt nicht unbedingt wie der Nabel der Welt. Trotzdem spielen namenhafte Musiker wie Nils Mönkemeyer bei Ihnen. Was schätzen solche Musiker an Ihrer Veranstaltung?

Nils hat einmal zu mir über das Festival gesagt: „Es geht darum, warum man das Ganze eigentlich macht.“ Das hat mich gefreut und lässt sehr tief blicken. Man hat ja doch oft mit Dingen zu tun, die sehr weit weg von dem liegen, warum man eigentlich Musiker geworden ist. Und manchmal muss man sich die Zeit nehmen, sich auf diese Gründe zurückzubesinnen. Deshalb ist es mir auch wichtig, dass es kein stressiges Festival ist, sondern dass es einem diese Gemütlichkeit, Ruhe und irgendwie Luft zum Atmen gibt.

Das Festival findet nun schon zum fünften Mal statt. Was hat sich im Vergleich zum ersten Jahr verändert?

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Xul Zolar: Band im Schwebemodus

Auch wenn Xul Zolar nicht unbedingt die klassischen Mitsing-Hymnen schreiben, bleiben ihre Songs doch erstaunlich schnell im Kopf und entwickeln einen ganz eigenen Vibe.

Seit ihrer Gründung sind Xul Zolar alles andere als untätig gewesen. Verschiedene Veröffentlichungen sind in den vergangenen Jahren entstanden, ihren Proberaum hat die Band längst zum Studio ausgebaut. Am Freitag, 23. August erscheint die neue EP Nightfalls, als Vorgeschmack darauf ist bereits die Single „Perfume“ erschienen. Ab Ende September geht es für die Band dann wieder auf Tour durch verschiedene große deutsche Städte.
Musikalisch gehen Xul Zolar in die Richtung New Wave-Pop. Mit dynamischen Schlagzeugbeats, einem fließenden Keyboard-Unterbau und leicht psychedelischen Gitarrenchords und -riffs entstehen athmosphärische Songs. Die Stimme des Sängers klingt dazu manchmal wie aus höheren Sphären zurück auf die Erde geschickt. Insgesamt wirken die Bandmitglieder gut aufeinander eingespielt, die Songs sind weder minimalistisch, noch überladen, sondern kommen mit einem angenehm gefühlvollen Maß aus.

Fazit: Xul Zolar passen musikalisch schön zusammen und bauen gekonnt schwebende Stimmungen auf.

  • Meisterwerk: „Perfume“
  • Umleitung:

He Told Me To: Grooviger Indie-Pop

He Told Me To aus Coburg ist vielleicht ein Paradebeispiel für den Indie-Musiker: Mit Elan und unabhängig macht er auf eigene Faust die Musik, die ihm gefällt.

Hinter dem Pseudonym He Told Me To steht der Solo-Künstler und Singer-Songwriter Sandro Weich. Zwei Alben hat der Musiker schon herausgebracht, Mitte Oktober soll das dritte folgen. Verschrieben hat er sich seinem Dasein als Indie-Musiker – und zwar so indie, dass er das erste Album noch in seinem Kleiderschrank aufgenommen hat.
Obwohl er sich selbst gern als „Schmusesänger“ bezeichnet und meist ein melancholisches Feeling im Vordergrund steht, sind die Songs von He Told Me To bei weitem nicht nur Softpop, sondern warten genauso mit härteren Rhythmen und rockigem Drive auf. Die Gitarrenriffs sind catchy, schön ist auch der deutlich zu hörende E-Bass. Zwischendurch gibt es leicht experimentelle Passagen, insgesamt gehen die Songs aber leicht ins Ohr und lassen sich mitsingen. Mit seiner Stimme weiß He Told Me To zu spielen: Je nach Song gibt es nachdrückliche und weichere Phasen, Wechsel zwischen Brust- und Kopfstimme und Schwung durch starke Melodien.

Fazit: Mit He Told Me To ist Musiker Sandro Weich ausgesprochen vielseitig unterwegs. Ob akustische oder elektrische Gitarre, allein oder mit Band, zum lauten Aufdrehen oder als Hintergrundmusik: Seine Songs machen Spaß, sind clever gemacht und eine echte Leidenschaft klingt durch.

  • Meilensteine:
    • 2015 Debut While Elephants Sleep
    • 2017 Hurricane Roleplay
  • Umleitung:

Die Sauna: Rock-Reise auf deutsch

Wer auf der Suche nach kernigen Bandnamen ist, der wird schnell feststellen, dass ein zufriedenstellendes Ergebnis nicht unbedingt einfach zu finden ist. Eine Band aus dem Süden der Republik hatte eine eher ungewöhnliche, wenn auch sicherlich einprägsame Idee: Gemeinsam sind die sechs jungen Männer nämlich als Die Sauna unterwegs.

Nach einer ersten EP 2017 spielte Die Sauna unter anderem als Vorband für Tocotronic. In Vorbereitung auf ihr Debut-Album, das am 30. August erscheinen wird, hat die Band vor kurzem mit „Das Ende“ bereits eine erste Single herausgebracht, die Tour durch den deutschsprachigen Raum ist für Oktober geplant.
Musikalisch bewegen sich Die Sauna zwischen Deutschpop, Punk und Shoegaze-Rock. Das Musikvideo wirkt auch optisch, als hätten sich die sechs via Zeitmaschine das ein oder andere Jahrzehnt zurückgebeamt. Statt auf klassische Bandhierarchien zu setzen, legen Die Sauna in ihrer Musik Wert darauf, dass die Stimme von Sänger Matthias Berg gleichwertig neben den Instrumenten der Bandkollegen an Drums, Gitarren, Bass und Keyboard steht, ohne die Songs allzu sehr zu dominieren. Der Klang wird dadurch dicht und stimmungsreich, der Fokus liegt gleichmäßig verteilt.

Fazit: Die Sauna sind nicht nur vom Namen her unkonventionell. Mit So schön wie jetzt war es noch nie darf man sich auf ein energiegeladenes Konzeptalbum freuen.

Ultraschall im Interview: „Unser Ascheregen ist die Post vom Finanzamt“

Tim Eulenspiegel ist Lead-Gitarrist und zweiter Sänger der Koblenzer Band Ultraschall (hier geht’s zum originalen Beitrag). Ein Gespräch über Schaffensdrang, die neue Single und ein Bandleben trotz Alltagshürden.

Musik unterm Radar: Alternative Rock und deutscher Sprechgesang klingt erst einmal nach einer untypischen Kombination. Wie hat sich euer Stil entwickelt? Gibt es musikalische Vorbilder, auf die ihr euch alle einigen könnt?

Tim Eulenspiegel: Wir fühlen uns ein bisschen als das deutsche Baby von den Red Hot Chili Peppers und Rage Against The Machine. Die Koblenzer Musikszene ist eher klein, so haben wir uns schnell gefunden und der Stil stand dann auch recht bald fest. Überhaupt sind wir eine totale Jam-Band und basteln mit Melodie- und Textschnipseln im Proberaum so lange bis uns ein Thema gefällt.

Eure neue Single „Ascheregen“ ist ein ziemlich lauter, wütender Song. Ich höre junge Menschen, die um ihren Platz im Leben kämpfen. Trifft das zu?

Ja, schon. Der Ascheregen ist im Grunde all das, was im Leben so auf einen einprasselt. Im Hinterkopf hatten wir natürlich die junge Generation, aber eigentlich haben Menschen jeden Alters ihren Ascheregen. Es geht um dieses Gefühl, dass da ein „Ich“ auf der Suche ist und dass man nicht der einzige ist, dem das so geht. Das war eigentlich auch der Grundkonsens für die ganze EP.

Ihr vier seid mit Anfang 20 auch Teil dieser Generation. Was ist euer persönlicher Ascheregen als Band?

Zum Beispiel die Post vom Finanzamt. Dann muss man Steuern zahlen, hat kein Geld fürs Studio und auf dem Weg zum Konzert hat auch noch der Sprinter einen Platten.

Du hast schon angesprochen, dass man „Ascheregen“ auch auf eurer aktuellen EP Odyssee findet, die jetzt schon ein paar Monate draußen ist. Wie ist die Resonanz bisher?

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