Wie auf wogenden Wellen

Sanfter Elektropop, verspielt wehmütige Akkorde, dazu eine halb verträumte und doch irgendwie bodenständige Stimme. Bühne frei für einen Newcomer mit Potential.

Assaf Tuvia ist ohne Frage vielseitig begabt. Nach seiner Ausbildung als Toningenieur in seinem Heimatland Israel kam er vor wenigen Jahren nach Deutschland und lebt seitdem in Berlin. Der Musiker spielt Gitarre, E-Bass und Synthesizer, er ist Sänger, Komponist, Texter und Produzent. Nachdem er lange in verschiedenen Bands gespielt hat, bringt er nun bald sein erstes Album Sad but Happy in Eigenregie heraus.
Besonders charakteristisch für Tuvias Kompositionen sind wohl die beinahe tranceartigen Gitarrenklänge sowie der schwerwiegende, geruhsame Beat, durch den das Ganze aber erfreulicherweise dennoch nicht getragen wirkt. Seine Musik fühlt sich eher an, als würde in einer eigens erschaffenen Welt die Zeit verlangsamt. So liegt in Songs wie „Three Ways“ eine besondere Energie, die die Hörerschaft entspannen und in die Ferne träumen lässt.

Fazit: Assaf Tuvia experimentiert viel mit Stimmung und Atmosphäre. Seine Tracks laden ein, die Gedanken schweifen zu lassen und sein musikalisches Können scheint mühelos und anmutig. Die Tatsache, dass die Songs vom Künstler selbst produziert und größtenteils auch selbst eingespielt werden, lassen außerdem eine einzigartige Möglichkeit zur Selbstentfaltung zu.

Links: https://www.facebook.com/TUVIA-846662932149641/

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Verflucht oder geheilt?

Eine Mumie wird ausgegraben und erwacht nach tausenden von Jahren wieder zum Leben. Nach einiger Zeit des Totstellens in einem New Yorker Museum öffnet sie die Vitrine, in der sie liegen musste und macht sich auf den Weg in die heutige Welt…

Was zuerst nach einem waschechten Horrorfilm klingt, dreht Josh Ritter in seinem Lied „The Curse“ in eine Liebesgeschichte. Die erste Bewegung der Mumie: das Berühren der Haare seiner Entdeckerin. Seine ersten Worte: in ihrer Sprache. Seine ersten Leseversuche: ihre wissenschaftlichen Paper, die sie über ihn verfasst hat (nebenbei hilft er ihr als Fachmann bei der Korrektur). Zwischendurch kommt immer wieder ihre Frage: Bist du verflucht? Und er antwortet stattdessen mit der Gewissheit, geheilt zu sein.
Als er sich der Außenwelt zeigt, werden beide berühmt. Sie touren in Limousinen durchs Land; sie ist inzwischen älter geworden und er muss sie stützen. Schließlich folgt ein trauriges Ende: während er andere Frauen kennenlernt, stirbt sie langsam und lässt ihn mit seinen Erinnerungen an sie allein.
Das Ganze singt Singer-Songwriter Ritter in seiner sanften Art mit simpler Klavieruntermalung. Der fließende Charakter des Liedes würde einen kaum vermuten lassen, was für eine bizarre Geschichte gerade erzählt wird. Denn tatsächlich ist es bei Ritters schönen Folkmelodien oder country-rockigen Klängen nicht selten so, dass man bei genauerem Hinhören neben der angenehmen Musik ganz einzigartige Erzählungen bemerkt.

Fazit: Josh Ritter ist ein Mann für Überraschungen. Und für Fantasie. Und für wirklich schöne Musik.

Links: http://www.songtexte.com/songtext/josh-ritter/the-curse-7beace18.html

Karibische Sounds aus dem hohen Norden

Acht Musiker spielen Reggae, nennen sich nach dem Geburtsort der Tanzmusik Calypso und betreiben mit ihren Texten etwas, das der Guardian als „aktivistischen Journalismus“ beschreibt; und das ausgerechnet in Kanada. Klingt skurril? Ist es auch.

Allerdings bringt die Band Kobo Town neben einem außerordentlichen Vibe in ihrer Musik durch ihre durchmischte Zusammensetzung auch eine große Glaubwürdigkeit mit. In Trinidad und Tobago geboren, zieht Gründer und Sänger Drew Gonsalves im Teenager-Alter nach Kanada, wo er 2004 die Band Kobo Town gründet. Inzwischen besteht die Besetzung weiter aus Gitarrist, Schlagzeuger, Saxophonist, Percussionist, Bassist und Trompeter und hat einen vollen, aber keineswegs überladenen Sound auf Lager.
Gonsalves vervollständigt die exotische Stimmung durch den für den karibischen Raum typischen Akzent bei der Aussprache englischer Texte. Die einzelnen Zeilen, die die anderen Musiker einstimmig mitsingen, sorgen außerdem für einen lebhaften Schwung.

Fazit: Kobo Town machen rhythmischen Reggae, indem sie ihre Instrumente gekonnt einsetzen, eingängige Melodien sowie schwer verständliche Texte entwerfen und Ländergrenzen nicht als Barrieren verstehen.

Links: https://www.kobotown.com/

Diese Frau hat den Groove gefunden

Ester Rada macht Musik, die man buchstäblich fühlen kann. Ohne großen Aufwand schafft es die Musikerin, mit ihrer Band dafür zu sorgen, dass ein jeder den Rhythmus in sich aufnimmt und sich unwillkürlich im Takt wiegt.

Die Israelin mit äthiopischen Wurzeln ist in ihrem Heimatland vor allem als Schauspielerin bekannt. Obwohl sie in ihrer Jugend bereits Zugang zur Musik gefunden hatte, dauerte es nach eigenen Angaben ein Zeit, bis sie sich nun wieder auf ihre Liebe zur Musik zurückbesinnt. Zum großen Glück für die Menschheit. Denn Rada hat eine fantastische Soul-Stimme, voll und weich, in angenehmer Lage ohne störende Höhen und mit einer einzigartigen Färbung.
Besonders bei ihrem Titel „Out“ klingt der Ethno-Jazz in ihrer Soul-Funk-Mischung mit ein: das triolische Swing-Feeling im Schlagzeug, die Einwürfe von Saxophon, Trompete und Posaune, die jazzigen Akkorde in E-Gitarre und Piano verhelfen dem Lied zu einer fantastischen Klangfülle.

Fazit: Ester Rada ist ohne Zweifel eine besondere Musikerin. Wer ihr zuhört, wird vom Groove gepackt und von der Stimme begeistert sein und noch dazu einen Ohrwurm für die nächsten zwei Tage haben.

Links: http://www.deutschlandfunkkultur.de/saengerin-ester-rada-eigener-glaube-eigener-sound.2177.de.html?dram:article_id=330712

Unterwegs in Freiheit

Wer Chuck Ragan singen hört, der sieht unwillkürlich die Weite der amerikanischen Landschaft vor sich: rote Felsen, trockene Straßen, einsame Reiter.

Mit rauer Stimme besingt der Folk-Musiker Freiheit, Vertrauen und Natur. Durch das Verwenden von Gitarre und teilweise anderen Instrumenten wie Mundharmonika löst die entstandene Musik eine ganz einzigartige Atmosphäre voller Melancholie, Heimatlosigkeit und Aufbruchsstimmung aus, gleichzeitig vertraut man bei Ragans fester Stimme darauf, dass trotz aller Widrigkeiten schon alles gut gehen wird. Ruhige Instrumentalstücke wie In The Eddy ergänzen die manchmal etwas aufgewühlt wirkenden Lieder auf den Alben hervorragend und lassen Zeit zum Innehalten und Nachdenken.

Fazit: Mit ergreifenden Texten und gefühlvoller Musik nimmt Chuck Ragan seine HörerInnen mit auf eine undefinierte Reise, geleitet wird man von einer markanten Stimme und schönen Gitarrenklängen.

Links: http://www.laut.de/Chuck-Ragan

Dem System den Kampf ansagen

Sie ist gegen Konformität, Lehrpläne, RTL 2, Gefühllosigkeit und blinden Konsum – und sie sagt es frei heraus. Sarah Lesch ist in ihrer unverblümten Art mit ungehobelter Wortwahl und gesundem Selbstbewusstsein so authentisch wie nur irgend möglich.

Bewaffnet mit Gitarre oder Ukulele singt die bereits mehrfach ausgezeichnete Liedermacherin, wonach ihr der Sinn steht. Ab und an lässt sie sich auch von Männern begleiten, zum Beispiel am Schlagzeug, die Hauptperson bleibt sie aber auch bei solchen Gelegenheiten unangefochten.
Bei ihren oft Chanson-ähnlichen Liedern lässt Lesch eine angenehme, klare Singstimme hören, meistens schwingt jedoch auch ein frecher Unterton mit oder man bemerkt einen despektierlichen Blick mit spöttisch zuckender Augenbraue, wenn es wieder um unsere allzu angepasste Gesellschaft geht.
Was der Musikerin ebefalls liegt, ist, die Stimmung einzufangen. Allein mit der Gitarre und einer Gesangsmelodie erreicht Lesch die Zuhörerschaft auf einer emotionalen Ebene, selbst wenn nicht auf den Text geachtet wird.

Fazit: Ausgemacht wird die Musik von Sarah Lesch von sehr pointierten Texten, mutigen Themen und passenden Melodien sowie Gitarrenbegleitungen. Auf ihre direkte Art werden die Einen mit Bewunderung reagieren, die Anderen mit Ablehnung, was der Künstlerin selbst aber vermutlich egal sein dürfte…

Links: https://www.sarahlesch.de/

The coolest and youngest band you need to know…

So betitelte die Website nylon.com 2014 ihren Artikel über das Duo Charlie Belle. Und das nicht zu Unrecht: Die auch inzwischen noch nicht einmal zwanzig Jahre alten Musiker klingen zum einen deutlich älter als sie sind, zum anderen geben sie – obwohl nur zu zweit – eine vollständige Indie-Pop-Band ab.

Nach einem Start als Trio mit Bassistin sind die beiden Geschwister Jendayi und Gyasi Bonds aus Texas seit ihrer zweiten EP allein musikalisch unterwegs. Erstere spielt E-Gitarre, ihr Bruder steuert das Schlagzeug bei. Zusammen ergibt das eine harmonierende runde Sache. Dazu kommt Jendayis angenehme Stimme, die zugleich voluminös und zurückhaltend ist und die sorglose Stimmung der selbstgeschriebenen Lieder.

Fazit: Charlie Belles Musik ist leicht zusammenzufassen: Der Fuß wippt mit, die Melodie bleibt im Kopf, das Herz geht auf. 

Links: https://www.theguardian.com/music/2015/jan/23/new-band-of-the-week-charlie-belle-no-39

Autofahrmusik vom Feinsten

Mitsingen, auf dem Lenkrad trommeln, Rhythmus spüren. Das Album Lunatic von den KONGOS ist genau der richtige Soundtrack für eine Fahrt auf einer freien Autobahn.

Die Band spielt alternativen Rock voller Energie. Die Melodien sind zwar eingängig, aber alles andere als banal, und jedes einzelne Lied ist anders. Dazu kommt eine weitere verblüffende Tatsache: Die KONGOS haben neben Gitarre, Keyboard, Bass und Schlagzeug auch ein Akkordeon als gleichwertiges Instrument in ihre Rockband integriert. Erstaunlicherweise funktioniert das so gut, dass einem dieser Umstand nach kurzer Zeit gar nicht weiter auffält, der Klang der Band dadurch aber umso mehr Wiedererkennungswert erlangt.
Gegründet wurde die Band 2007 von den Brüdern Daniel, Dylan, Jesse und Johnny Kongos in Südafrika. Die Einflüsse des dort populären Kwaito – eines afrikanischen Genres in der Nähe des House – sind bei manchen Liedern zu erahnen. Inzwischen spielen die KONGOS vor allem in den USA, sind aber hin und wieder auch in anderen Teilen der Welt unterwegs.

Fazit: Die KONGOS machen mit ihren Titeln eine gute Mischung und haben einen unverwechselbaren Sound.

Links: http://www.kongos.com/about/

Das Erfolgsrezept von drei Jahrzehnten

Die größte Zusammenkunft von Blues-Bands der Welt trägt den Titel International Blues Challenge und findet einmal jährlich in Memphis, Tennessee statt. Seit 1984 trägt die Blues Foundation den Wettbewerb aus und zeichnet hochkarätige Musik von Bands oder Solo- bzw. Duettkünstlern aus. Dass die meisten Gewinner US-Amerikaner sind, leuchtet ein, schließlich ist der Blues dort eng an die Tradition gekoppelt. Umso überraschender war es, als 2011 erstmals zwei Europäer den Wettbewerb gewannen. Und das völlig zu Recht.

Wenn Marc Breitfelder seine Mundharmonika spielt, dann hört man kein Instrument. Man hört eine Stimme. So viel Ausdrucksstärke liegt in seinen Soli und so beneidenswert perfekt beherrscht er die Technik auf der Mundharmonika, für die man – entgegen der weitverbreiteten Annahme – weit mehr können muss, als nur durch den Holzkörper ein- und auszuatmen. Er entlockt dem kleinen diatonischen Instrument Töne, die man nicht für möglich gehalten hätte, laut Website durch Verwendung einer eigens von ihm entwickelten Überblastechnik.
Sein Musikerkollege Georg Schroeter liefert dazu Klavier und Gesang. Technisch und solistisch ebenfalls einwandfrei ergänzt er mit seinem Talent, das Publikum zum Mitwippen mit dem Fuß oder gar Tanzen zu bringen, dass man doch staunen kann, zu wie viel eine so kleine Besetzung im Stande ist.
Ihr herausragendes Können zeigen die Norddeutschen Schroeter und Breitfelder nun schon seit ganzen dreißig Jahren zum Beispiel mit ihrem Song „Talk To Me“, bei dem sie mit ihren Instrumenten die Auseinandersetztung eines Paares imitieren. Schroeters Klavier ist der Mann, Breitfelders Bluesharp die Frau, und schon entwickelt sich eine witzige Situation, bei der man die Streitenden beinahe vor sich sieht.

Fazit: Die Musiker ergänzen sich unheimlich gut. Beide kennen sich aus mit ihren Instrumenten, beide haben sie den Blues in ihren Adern. Noch unterstützt von einem Schlagzeuger geben sie eine hervorragende Konstellation ab, die auf Konzerten wie auf CDs gleichermaßen für Stimmung sorgt.

Links: https://www.tripsavvy.com/memphis-international-blues-challenge-2321731
http://www.gs-mb.com/

Marching Band mal anders

Fast schon kein Geheimtipp mehr sind Moop Mama aus München. Der Grund dafür: Sie sind in verschiedensten Szenen vertreten. Eingeschworene Rap-Fans kennen sie, denn Frontmann Keno beherrscht Technik wie Freestyle und schreibt fantastische Texte. Musiker, die selbst ein Blasinstrument spielen, sind fasziniert von den Fähigkeiten der Band und den Soloeinlagen, denn von Sousaphon und Posaune über Saxophon bis hin zur Trompete ist alles dabei. Und zu guter Letzt sind da die Partygänger, die Moop Mama augenblicklich in ihren Bann zieht. Den Jungs gelingt es, einen riesigen Platz zum Springen zu bringen, dabei sind sie witzig und alles andere als abgehoben.

Unterstützt wurden sie dabei schon von Größen wie Jan Delay, den Sportfreunden Stiller und Blumentopf, sie spielen jede Menge Konzerte und arbeiten bereits am vierten Album. Die Texte sind mutig und machen weder vor Konsum- und Gesellschaftskritik noch vor einem bewegenden Lied über den Weg von Flüchtlingen über das Mittelmeer halt.
Auf ihren Live-Konzerten, die sie anfangs noch auf öffentlichen Plätzen gespielt haben und sich dabei das ein oder andere Mal mit der Polizei konfrontiert sahen, haben Moop Mama eine enorme Wirkung auf ihr Publikum, die Stimmung ist ausgelassen, es wird mitgesungen und früher oder später hat jeder einzelne die Hände in der Luft.

Fazit: Die Musik von Moop Mama eignet sich prima zum laut Aufdrehen. Das musikalische Niveau der Band ist sehr hoch, außerdem ist Rapper Keno ein geborener Entertainer und die Songtexte sind mindestens hochkarätig.

Links: http://www.laut.de/Moop-Mama