Tina Dico: intensiver Folk-Pop

Gitarre und Gesang reichen schon aus, damit Tina Dico ihre Hörerinnen und Hörer für sich einnehmen kann.

Geboren wurde die Singer-Songwriterin 1977 in Dänemark als Tina Dickow, mit 15 spielte sie in ihrer ersten Band, gewann nach der Schule gleich zwei dänische Talentwettbewerbe und ist seitdem international als Tina Dico unterwegs. Im Laufe der Zeit hat sie jede Menge Alben herausgebracht und den ein oder anderen Preis gewonnen.
Ihre Lieder sind allesamt sehr Folk-typisch: Gitarre, eine schöne Stimme, viel Gefühl. Trotz der tragisch anmutenden Akkorde und Melodien singt Tina Dico kein Stück weinerlich, sondern kraftvoll und bestimmt. Weiter verzichtet sie auf aufgeblasenen Sound, hält die Begleitung schön, aber minimalistisch, und nutzt ihre starke Stimme, um die Lieder auszufüllen.

Fazit: Mit ihrer festen Stimme und der melancholischen Gitarrenbegleitung ihrer Akustik-Titel sorgt Tina Dico für die ein oder andere Gänsehautstelle.

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Catfish and the Bottlemen: abwechslungsreicher Indie Rock

Mit dem etwas ungewöhnlichen Namen Catfish and the Bottlemen machen vier junge Musiker aus Wales vielversprechende Indie-Musik.

In ihrer Heimat Großbritannien sind sie schon recht bekannt und auch in den USA haben sie sich bereits einen Namen gemacht, in Deutschland dagegen sind Catfish and the Bottlemen allerdings bisher noch eher Wenigen ein Begriff. Dabei besteht die Gruppe um Sänger Van McCann schon ein paar Jahre. Das erste Album The Balcony erschien 2014, zwei Jahre später knüpften sie mit The Ride an den Erfolg der ersten Veröffentlichung an.
Die vier Musiker haben einige schön kräftige Rocksongs im Repertoire, die trotz viel Klang und Schlagzeug glücklicherweise nicht überladen wirken, sondern vor allem dank der verschiedenen Begleitmuster in der Gitarre spannend und einzigartig bleiben. Bei Songs wie „Hourglass“ verstecken sie ihre rockigen Wurzeln dagegen ein wenig und trauen sich an eine etwas ruhigere Stimmung. Beide Seiten von Catfish and the Bottlemen sind lohnenswert und bleiben im Ohr. Der Schauspieler aus dem Musikvideo zu „Hourglass“ dürfte übrigens dem ein oder anderen bekannt vorkommen. Tatsächlich handelt es sich um Ewan McGregor, bekannt für seine Rolle als Obi Wan Kenobi aus den Star-Wars-Filmen. McGregor wurde auf Catfish and the Bottlemen aufmerksam, als die Band mit einem Schlagzeug auf Tour war, auf dessen Bass Drum McGregors Gesicht abgebildet war. Da der Schauspieler auch selbst immer wieder als Sänger zu hören ist, enstand für „Hourglass“ eine (sehr gelungene!) Kooperation.

Fazit: Dank abwechslungsreicher Techniken und Spiel mit verschiedenen Richtungen insgesamt tolle Songs.

Fatcat: Funkige Stimmungskanonen

Acht Jungs ziehen gerade über die deutschen Bühnen und verbreiten gute Musik und gute Laune: Fatcat aus Baden-Württemberg machen den Funk tanzbar.

Ein Vorgängerprojekt der Band entstand bereits im Zuge des Musikstudiums einiger Mitglieder in Freiburg, damals noch unter dem Namen Project Mayhem. Komplett wurde Fatcat dann, als Sänger Kenny Joyner dazu stieß. 2016 erschien dann mit Champagne Rush das erste Album der Gruppe, ein Livealbum folgte im März diesen Jahres.
Mit Gitarre, Bass, Keyboard, Drums, Posaune, Alt- und Tenorsax heizen die acht ihren Zuhörern ganz schön ein. Der Klang ist wuchtig, die Lautstärke ordentlich, die Stimmung ausgelassen. Dass die Mitglieder von Fatcat durch ihr Studium Ahnung von der Materie haben, fällt auf: Die Band beherrscht dass Solospiel genauso, wie sich zurückzunehmen und harmonische Backings abzuliefern.

Fazit: Fatcat haben das Zeug, in den nächsten Jahren noch richtig groß zu werden. Mit der Pop-Funk-Mischung ihrer Titel zeigen sie, was sie musikalisch drauf haben und fabrizieren coole, unverwechselbare Songs.

Shun: Klangteppich mit Atmosphäre

Von Shun gibt es gut was auf die Ohren. Aus dem massiven Sound, den die vier fabrizieren, ist jetzt eine EP voller alternativem Rock entstanden.

Shun besteht aus vier jungen Musikern, die sich zusammengetan haben und von Münster aus gemeinsam Musik machen. Unter dem Titel Nothing Quite As Heavy bringen sie diese Woche (11. Mai) ihre erste EP heraus. Die vier Titel darauf sind allesamt sehr rockig mit viel Schlagzeug und mindestens so viel E-Gitarre.
Der erste Track „Ostensibly“ startet gleich mit dichtem Klang, der unaufgeregte Gesang steigt als Counterpart ein. Diesem Prinzip bleiben Shun auch bei ihrer Single „Over Me“ treu. Durchgängig zu hören sind die Schoegaze-typischen Wechsel zwischen voller Ladung Klang mit fettem Schlagzeugsound und massiger Gitarre und Phasen, in denen sich die Instrumente zurücknehmen und dem Sänger die Show überlassen. Die Atmosphäre auf der EP lässt sich irgendwo zwischen Melancholie und dem Wunsch nach Ankommen einordnen.

Fazit: Nothing Quite As Heavy am besten laut aufdrehen, auf die Stimmung einlassen und Gedanken schweifen lassen.

Seraleez: eingängiger HipHop-Soul-Mix

Moderne Elektroklänge und softe Beats treffen auf jazzige Akkorde und eine einzigartige Soulstimme. Die junge Band Seraleez aus Berlin hat viel zu bieten.

Die fünfköpfige Band besteht aus den vier jazz- und hiphopbegeisterten Musikern Jonathan Strauch (Saxophon), Phillip Oertel (Bass), Stephan Salewski (Schlagzeug) und Christian Keymer (Keyboard) und der amerikanischen Sängerin Christine Seraphin. Zwar liegen die Anfänge der Gruppe in Dresden, inzwischen nennt die Gruppe allerdings die Hauptstadt ihr Zuhause. Im Jahre 2016 kam schließlich ihr Debut Good Life unter ihrem Bandnamen Seraleez auf den Markt. Seitdem haben die Musiker reihenweise Shows gespielt und innerhalb Deutschlands wie international jede Menge Leute zum Tanzen gebracht.
Spannend an Seraleez’ Musik ist so einiges. Die coolen Jazz-Licks, der kraftvolle Gesang, die Art, mit der die jungen Musiker verschiedenste Stile unter ein Dach bringen. Klar ist außerdem: Die Songs bleiben im Kopf. Und das, obwohl die Band gerade auf simple Popstrukturen und -melodien verzichtet. Seraleez beweisen, dass komplexe Rhythmen und ein mutiger Umgang mit Genres keineswegs im Widerspruch zu eingängiger Musik stehen müssen. Auch die Songtexte aus der Feder von Sängerin Seraphin sind keineswegs simpel gestrickt und es lohnt, sich damit zu beschäftigen. In „The Only One“ (feat. Stimulus) geht es beispielsweise darum, dass es zwar auf der Welt immer Menschen gibt, die gerade in ähnlich schwierigen Situationen stecken wie man selbst, und dass man sich dabei aber dennoch allein fühlen kann. Auch Generationenkonflikte, Kindheitsträume und die dunkle Seite der menschlichen Persönlichkeit finden durch Seraleez eine Stimme.

Fazit: Die Mitglieder von Seraleez machen musikalisch komplett ihr eigenes Ding. Dabei entsteht ein unverwechselbarer Sound, der richtig Lust auf mehr macht.

Lauren Napier: Acoustic-Folk voller Gefühl

Eine junge Musikerin, die mit Leidenschaft dabei ist, gute Texte hervorzaubert und eine bestechende Stimme besitzt: Lauren Napier ist eine besondere Künstlerin.

Lauren Napier ist schon viel rumgekommen. Einerseits geographisch gesprochen, schließlich hat sie bereits in verschiedensten Ländern auf dem Globus gelebt. Aber auch beruflich war sie schon gut unterwegs. Neben ihrem Musikerdasein hat Napier einige kreative Berufe ausprobiert: So hat sie bereits als Musikjournalistin für verschiedene Magazine gearbeitet, Tourmanagerin war sie schon und als Schriftstellerin gibt es auch das ein oder andere Buch von ihr zu kaufen.
In ihren Songs schwingt meist eine gewisse Melancholie, manchmal sogar echte Tragik mit. Mit der schlichten Gitarrenbegleitung ist dabei trotz der klagenden Stimme eine außerordentliche Sanftheit zu hören.

Fazit: Lauren Napiers akustische Titel berühren einen schnell durch deren oft minimalistische Besetzung und die melancholischen Melodien.

  • Meisterwerk: „There’s No Honour Among Thieves“
  • Meilensteine:
    2015 Void of Course EP
    2017 Bedroom Recordings
  • Getextet: „Sure the standards are high but what do you value?“ (There’s No Honour Among Thieves)
  • Umleitung: http://www.punkrockdoll.com

 

VenueConnection: feiner Funk

Mit rollenden Schlagzeug-Beats, Einwürfen von der Jazzorgel und abgerissenen Gitarrenakkorden spielen VenueConnenction funkigen Jazz und Soul.

Die Grundidee für die Combo VenueConnection entsteht 2002 in Spanien, es dauert allerdings bis 2007, bis der US-Amerikaner Karl Frierson zur Truppe dazustößt. Das erste Album Madrid Boogie wurde dafür aber auch gleich von Acid Jazz Hispano zum besten Album des Jahres 2008 gekürt.
Musikalisch sind die einzelnen Mitglieder alle fantastisch in Form und transportieren den Vibe genauso, wie es die Musikrichtung verdient. Auch gesanglich haben VenueConnection einiges zu bieten: nahezu gerappte Passagen gibt es genauso wie jazztypische Lautmalerei, ab und an wird mal ein Schrei eingeworfen. Sänger Frierson und seine Kollegin Ángeles Dorrio harmonieren gut und fangen die jeweiligen Stimmungen schön ein.

Fazit: VenueConnection machen technisch einwandfreie Musik und bringen außerdem das richtige Gefühl mit.

  • Meisterwerk: „Feel The Groove“
  • So klingt’s: Funk, Soul, Jazz
  • Getextet: „When you’re laughing, when you’re dancing, when you’re singing in the rain | take a chance cause it’s so amazing how your life will surely change“ (Singing In The Rain)
  • Umleitung: http://www.venuesite.com/en/

Indianizer: Acid Rock für gute Laune

Gitarren, E-Bass, Flöte, Banjo, Gesang, Schlagzeug, Synthesizer, Percussion, Orgel und Kaoss Pad. All das brauchen die Mitglieder der Band Indianizer aus Turin für ihre Songs. In denen prallt Vieles aufeinander, das Zuhören macht aber gerade deshalb einen Heidenspaß.

Die vier Italiener Riccardo Salvini, Matteio Givone, Salvatore Marano und Gabriele Maggiorotto haben als Indianizer seit 2013 zwei EPs in Eigenregie veröffentlicht. Darauf folgte das erste Album Neon Hawaii. Seit Ende März gibt es nun das neueste Produkt der kreativen Köpfe zu kaufen: Zenith heißt es, acht Tracks sind drauf und das Cover sagt schon einiges. Sehr bunt, sehr spacig.
Der vorwärtstreibende Song „Hypnosis“ macht richtig Laune. Es ist die Mischung aus coolen Rhythmen, Ohrwurmmelodien und einer Fülle von Percussion, Walking Bass, Flöte und jeder Menge unidentifizierbaren Geräuschen, die den Song zu solch einem Erlebnis macht. Der Track „Mazel Tov II“ klingt noch eine Spur abgedrehter. Aufgewühlte Rythmen und eine fette Palette an Sounds prägen auch hier den Höreindruck.

Fazit: Die Musik von Inidanizer ist schon ein wenig skurril und manche Songs sind doch auch etwas gewöhnungsbedürftig. Das macht aber nichts, denn das Gesamtpaket stimmt.

Sara Niemietz: Blue Notes und voller Sound

Sara Niemietz’ Stimme klingt wie auf alten Jazz-Platten: Sie beherrscht Dirty Tones, hat einen kräftigen Gesang, kommt in die Höhe und lässt insgesamt Hoffnung für die Welt der Vokalmusik aufkeimen.

Niemietz, Jahrgang 92, hat bereits als Kind erste Auftritte in Film, Fernsehen und Theater. Sie wächst in Chicago auf, spielt Gitarre, Bass und Klavier, singt, schreibt Musik. Später arbeitet sie mit verschiedenen Musikern und Komponisten zusammen, bringt Records auf den Markt, Ellen DeGeneres wird auf sie aufmerksam und lässt sie in ihrer Show auftreten, das Time Magazine schreibt über ihre Dixieland-Interpretation von Justin Biebers „Love Youself“.
Mit ihrer fantastisch voluminösen und ausdrucksstarken Stimme covert Sara Niemietz Titel aus allen möglichen Genres, nicht selten klingt ihre Version dabei besser als das Original. Abgesehen von ihrer YouTube-Präsenz ist die Künstlerin auch ganz aktuell in Deutschland mit mehreren Shows zu sehen.

Fazit: Tolle Stimme, tolle Technik, tolle Titel. Bleibt zu hoffen, dass Sara Niemietz noch sehr lang im Musikbusiness unterwegs sein wird und die Jazzlandschaft mit weiteren Interpretationen bereichert.

Frank Powers: smarte Musik erfrischend anders

Der Schweizer Musiker Frank Powers und seine Band machen einzigartige Musik. Ein bisschen Pop, ein bisschen Folk, etwas Weltmusik, hauptsächlich aber ein ganz eigener, charakteristischer Sound.

Als Lokalprominenter hatte sich Dino Brandao unter seinem Künstlernamen Frank Powers bereits mit seinen Straßenmusikauftritten im schweizerischen Baden einen Namen gemacht. Inzwischen kann man ihn und seine Band auch auf Touren in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Großbritannien bewundern. Das Album Laisser Faire ist genauso wie die kürzlich erschienene EP Flohzirkus eine Mischung aus Titeln, bei denen keiner ist wie der andere.
Besonders an Frank Powers Art zu Singen ist sein Spiel mit verschiedenen Stimmtechniken: mal hört man reinen Klang und klare Höhen, mal singt er kratzig und akzentuiert, mal laut und intensiv. So variabel wie Frank Powers’ Stimme sind auch seine Lieder. Auf Englisch, Deutsch, Französisch und Italienisch singt er mit guten Texten über Leben und Leute.

Fazit: Die Songs von Frank Powers sind alle miteinander zu empfehlen, so unterschiedlich sie doch sind: die vor Leichtigkeit und Lebenslust strotzende Single „Free Moves“, das eher ruhige „Time And Travelling“, das ernste „Angels And Demons“.