Namu: atmosphärische Electro-Sounds

Als Bandproberaum der Keller einer ehemaligen Kirche, auf deren Friedhof auch noch die Mutter von Goethe begraben wurde, so eine Location verlangt wohl auch nach einer besonderen Band. Namu aus Frankfurt sind zwar selbst sicher nicht so gruselig wie sich ihr Proberaum anhört, haben aber durchaus ein gewisses Feeling fürs Mysteriöse und sphärische Klänge.

Die Wurzeln von Namu reichen bis nach Korea und Spanien. Daniel Kim, Sebastian Rodriguez und Raphael Reichert-Lübbert kennen sich aber schon aus der Schulzeit und machen seitdem zusammen Musik. Jetzt ist eine erste professionelle Single entstanden, deren Video letzte Woche Premiere gefeiert hat.
„Past Life“ ist ganz klar eine starke Debut-Veröffentlichung, die einen guten ersten Eindruck davon gibt, in welcher Richtung sich das Trio musikalisch positionieren möchte. Die Single ist elektronisch geprägt, dazu gibt es einen hiphop-inspirierten schnellen und beckenlastigen Schlagzeug-Beat und die E-Gitarre sorgt für einen passenden Gegenpol. Der eher hohe Gesang und die Melodie – nach Aussage der Band beim Summen auf einer Bahnfahrt entstanden – erzeugt Spannung und stützt die sphärische Stimmung des Songs.

Fazit: Namus Musik ist alles andere als eintönig: Die drei experimentieren mit Klängen und Effekten, entwickeln Spannungsbögen, spielen mit ihrer Melodie und setzten gekonnt unverhoffte Brüche ein.

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John Garner: Folkrock mit Drive

Auf der Suche nach Songs, die man einmal hört und dann den ganzen Tag vor sich hin summt? Dann ist die Gruppe John Garner die richtige Adresse.

Den Grundstein für die Band legte Frontmann und Gitarrist Stefan Krause schon vor einigen Jahren, als er sein Künstleralias John Garner erfand. Später stießen Chris Sauer (Gitarre) und Lisa Seifert (Akkordeon) hinzu. Seit 2016 ist das Trio komplett, 2017 und 2018 folgte direkt jeweils ein Album.
Typisch John Garner sind viel Gitarre, schöner dreistimmiger Gesang und ein leichter Hang zu epischen Akkorden. Die Musik der Band macht Laune, die Stimmen scheinen sich gegenseitig zu befeuern und es gibt einige Parts, die man ruhig laut aufdrehen kann. Wer sich nun ärgert, es verpasst zu haben, im letzten Jahr eins der über 100 Konzerte der Band zu besuchen, muss trotzdem nicht den Kopf in den Sand stecken. Es reicht vorerst, morgen Abend durchs Fernsehen zu zappen und bei Pro7 hängen zu bleiben, wo die drei bei der Sendung „My hit. Your song.“ auftreten. Ebenfalls morgen am 17. Januar geht die neue Single der Band an den Start: „I Saw The Fire“ ist wie von John Garner gewohnt ein Song mit dem Schwerpunkt auf der Gitarre, starker Melodie, schönen Wechseln. Dennoch geht „I Saw The Fire“ in eine etwas andere Richtung als zuvor, arbeitet mit Witz und der spannenden Idee, Träume zu Musik zu verarbeiten; zu viel soll hier aber noch nicht verraten werden.

Fazit: Von Kopfstimme bis rockig-kratzig haben die drei John Garners viel zu bieten, die Titel sind frisch und lebendig – der ein oder andere Ohrwurm ist garantiert.

  • Meilensteine:
    • 2009 Stefan Krause wird „bester Rocksänger Deutschlands“
    • 2017 Debut Writting Letters
    • 2018 See You There
  • Umleitung: https://www.johngarner.de/

Theo Junior: R&B-Nachwuchs

Wenn die Musikfreunde bereit sind für eine neue Generation Soul, steht der Nachwuchs schon in den Startlöchern: Theo Junior singt und tanzt sich durch das Genre.

Nachdem der Hamburger Theo Bestelmeyer vor drei Jahren in der Sendung „The Vioce Kids“ zu sehen war, hat er nun Anfang dieses Monats als Theo Junior seine erste Single mit dem Namen „Tanz“ veröffentlicht.
Wie auch Theo Junior selbst, ist die Single im R&B und Soul zu Hause, wenn auch mit einer Tendenz zum Elektronischen. Für seine gerade einmal 15 Jahre ist seine weiche, voluminöse Stimme schon erstaunlich gefestigt. Theo scheint eine klare Vorstellung davon zu haben, wie er klingen möchte und schreckt auch vor der nicht ganz einfachen Aufgabe, Songs amerikanischer Genres mit deutschen Texten zu singen, nicht zurück. Neben seinem deutschsprachigen Titel „Tanz“ sind auf YouTube allerdings auch mehrere englische Cover von ihm zu finden, in denen er die Werke anderer namenhafter Künstler interpretiert.

Fazit: Obwohl Theo Junior noch am Anfang einer möglichen musikalischen Laufbahn steht, würde man ihm zutrauen, in den nächsten Jahren noch einiges zu reißen.

Yonder: In einer CD um die Welt

Von Italien nach Rumänien, von der Bretagne nach Irland – das Instrumental-Ensemble Yonder geht mit ihrer Hörerschaft auf eine Reise durch die traditionelle Musik.

Das Quartett aus Norddeutschland hat sich bereits 1998 gegründet und sich nach Anfängen in der Irish Folk-Szene ganz allgemein der Interpretation von europäischen Traditionals und hin und wieder auch selbstgeschriebenen Kompositionen verschrieben. Im Herbst 2018 ist ihr neues Album Beyond Borders erschienen.
In dieser neuen CD schreibt das Quartett, Yonder stehe für das, „was jenseits von Grenzen zu entdecken ist“. Eine klare Mission also und eine Message, die sogar über das Musikmachen hinauszugehen scheint. Wer bei Traditionals allerdings nur an Blockflötenversionen von „Kumbaya“ und „Oh When The Saints“ denkt, der ist bei Yonder definitiv falsch: Treibende Rhythmen treffen hier auf starke Vibes, das Ganze im 22/8-Takt, schön aufeinander abgestimmt und mit entspanntem Grinsen im Gesicht, als gebe es nichts Einfacheres.

Fazit: Obwohl ohne Gesang, ist die Musik von Yonder abwechslungsreich und lebendig. Die musikalische Zusammenstellung von Liedern aus verschiedensten Ecken macht neugierig und das Können der Interpreten spricht für sich.

E^ST: klar und direkt

Unter dem etwas seltsamen Pseudonym E^ST singt eine junge Musikerin bereits seit mehreren Jahren. Besteht auf der anderen Seite der Weltkugel schon eine Fanbase, wird es Zeit, dass ihr Ruf auch bis nach Europa überschwappt.

Mit um die 20 hat die Australierin Melisa Bester mit ihrem Alter-Ego E^ST schon einiges abgehakt: mehrere Singles, Support von Größen wie Twenty One Pilots und seit Oktober den ersten Longplayer.
So mancher mag nach E^STs jugendlicher Ausstrahlung überrascht gewesen sein von ihrer Musik, ihrer Erfahrung und nicht zu vergessen ihrer selbstbewussten Präsenz. Sie kann die netten Indie-Pop-Balladen genau so wie den experimentellen Electro-Sound. Mit ihrer rauen Sprache hält sie sich dabei auch nicht zurück – die meisten ihrer Songs sind mit „Explict“ gekennzeichnet. Besonders ist ihre Singstimme aber auch so allemal. Stark und voller Charakter singt E^ST und zieht einen in ihren Bann

Fazit: Eine junge Künstlerin, der man mit Spannung zuhört. Die Titel sind voller Abwechslung und in den Lyrics finden sich viele toll getextete Zeilen.

Adventsspezial: JD McPherson

Dass sich die Jazzer und Bluesmen in den USA auch von der besinnlichen Zeit einnehmen lassen, ist nichts Neues: Frank Sinatra, Ella Fitzgerald, Nat King Cole — sie alle haben mindestens ein Weihnachtsalbum veröffentlicht. In diese Tradition reiht sich nun auch JD McPherson mit ein, wenn auch mit einer gewissen Portion Komik.

„Ugly Sweater Blues“ heißt seine Interpretation der Vorweihnachtszeit innerhalb der Familie und stammt aus seinem Weihnachtsalbum Socks. Wie der Titel schon vermuten lässt, dreht sich hier alles um die typisch amerikanischen Weihnachtspullover. Protagonist ist anscheinend ein Kind, das mit der Vorgabe seiner Mutter hadert, den hässlichen Pullover tragen zu müssen. In schöner Weihnachtsmanier wartet das Lied neben der vollen Stimme McPersons und angenehmem Drive mit Glöckchen im Hintergrund auf und erzeugt so ein schönes Kaminfeeling.

Cosmo Sheldrake: was uns Geräusche erzählen

Viele Künstler wurden schon mit „The one and only…“ angekündigt. Cosmo Sheldrake hätte die Phrase verdient. Denn seinen Stil findet man so schnell kein zweites Mal.

Seine Faszination für die kleinen Geräusche fand der Brite Cosmo Sheldrake auf Reisen: Ein Tonbandgerät diente ihm als „Tagebuch“, wie er selbst sagt. Was auch immer ihm in die Quere kam, das nahm er auf. Als Multiinstrumentalist, Musikproduzent und Komponist (unter anderem für Film und Theater) nutzt Sheldrake sein breites musikalisches Wissen, um diese Klänge wie Zeitkapseln in seinen Liedern zu verewigen.
Was seine Titel außerdem besonders macht, ist die Summe aus sauber kombinierten elektronischen Klängen, erstaunlicher Umsetzung seiner One-Man-Band und Melodien, die im Kopf bleiben und dennoch überhaupt nicht „typisch Pop“ sind.

Fazit: Cosmo Sheldrake macht Musik auf seine Weise. Was dabei herauskommt ist eine Momentaufnahme: experimentell, sprunghaft, lebendig. Und voller Geschichten, die man nur erahnen kann.

Interview: „Musik zu machen ist ein explosiver Prozess“

Das Duo Prada Meinhoff startet diese Woche die „Koma-Tour“. Mit einer frischen EP im Gepäck geht es zwölf Tage lang durch neun deutsche Städte. Zwischen Radiointerviews und Bandproben hat sich Bassist René Riewer Zeit für Musik unterm Radar genommen. Ein Gespräch über Kreativität, Rockband zu zweit und den Stress des Lebens.


Musik unterm Radar: René, gemeinsam mit der Sängerin Christin Nichols bist du jetzt seit drei Jahren unter dem Namen Prada Meinhoff unterwegs. Für diejenigen, die noch nie einen Song von euch gehört haben, wie würdest du eure Musik beschreiben?

René Riewer: Beats, Bass und Stimme. Wir machen Elektropunk aufs Maul.

…da hört man jetzt schon heraus, dass man bei euch nicht unbedingt die schnulzigen Liebeslieder findet. Worum geht es in euren Texten?

Um die ehrlichen, ungeschönten Dinge des Lebens. Wir sind beide um die 30, da hat man denke ich doch die ein oder andere Erfahrung gesammelt, die man mit Anfang 20 so noch nicht hatte. Wir propagieren keine heile Disney-Welt. Wir beschäftigen uns in unseren Songs damit, wie es wirklich ist, mit echten Sehnsüchten, Ängsten und Herausforderungen und ich hoffe, dass sich da die Menschen wiederfinden können.

Ihr habt vor einem halben Jahr eure Debut-Platte veröffentlicht, die neue EP Stress gibt es jetzt seit zwei Wochen. Dazu beginnt in ein paar Tagen die Koma Tour, eure erste Headliner-Tour. Bei so viel Programm in so kurzer Zeit, scheint ihr ja ein schnelles Arbeitstempo zu haben. Wie läuft das bei euch ab, von der ersten Idee bis zur fertigen EP?

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Tom Rosenthal: echte Gänsehaut-Songs

Wo immer seine Musik gespielt wird, dorthin zaubert Tom Rosenthal mit einfachen Mitteln in seinen Liedern eine wunderschön gefühlvolle Stimmung, die ansteckt und berührt.

Tom Rosenthal ist zweifacher Vater, seit über zehn Jahren Solokünstler, hat über Youtube Berühmtheit erreicht, ohne dass er je ein Schwergewicht von Plattenfirma im Rücken hatte, und insgesamt schon fünf Alben und eine weitere Handvoll EPs herausgebracht. Die neueste Veröffentlichung ist gerade mal einen Monat alt und trägt den Namen Z-Sides, ein Album voller ruhiger Melodien, auf dem Rosenthal einige seiner älteren Titel als akustische Versionen sehr gelungen neu interpretiert hat.
Es ist diese Kombination aus seiner eindrücklichen, rauchigen Singweise, sanfter Klavieruntermalung und schöner Melodien, die der Guardian als „gentle epic ballads“ bezeichnet und die man wie von selbst und ganz in Gedanken versunken mit summt. Dazu kommen tiefgreifende, berührende Texte, die einen höchst selbstreflektierten Menschen vermuten lassen.

Fazit: Nicht nur, aber gerade jetzt in der anbrechenden dunklen Jahreszeit kann man die Titel von Tom Rosenthal nur jedem ans Herz legen. Sei es für eine Tasse Tee vorm Kamin, gemeinsame besinnliche Stunden oder einfach um einer angenehmen Hintergrundmusik zu lauschen.

  • Meisterwerk: „Go Solo“
  • Meilensteine:
    2011 Debut Keep a Private Room Behind the Shop
    2018 Z-Sides
  • Umleitung: http://tomrosenthal.co.uk

Musik-News: neues Video von Fil Bo Riva – Album folgt!

Mit dem Titel "Musik-News" erscheinen an dieser Stelle von nun an mehr 
oder weniger regelmäßig Neuigkeiten über Bands, Alben, Tours und
andere Hintergrundgeschichten (selbstverständlich ohne Anspruch auf
Vollständigkeit). Welche Musik-News sollten hier noch unbedingt
auftauchen? Schick gern eine Nachricht durch!

Die Fakten:

  • Band: Fil Bo Riva
  • Das ist neu: Musikvideo zu „Go Rilla“
  • Das steht an: 22.03.2019 Album-Release Beautiful Sadness, April/Mai 2019 Deutschlandtour

Die Analyse:

Das letzte Mal auf sich aufmerksam gemacht hat der deutsch-italienische Musiker Fil Bo Riva (hier geht’s zum Beitrag) im Oktober mit dem Release seiner neuen Single „Go Rilla“. Jetzt gibt es dazu auch ein offizielles Musikvideo. Das wimmelt im ersten Moment nur so vor Gorilla-Kostümen, gruseligen Alten und silbern angemalten Gesichtern. Die Verwendung dieser verschiedenen, teilweise recht skurrilen Filmelemente passt hier aber ausgesprochen gut zu der kraftvollen Neuerscheinung. Die schnellen Schnitte und die Vielzahl von abstrakten Kostümen ergänzen optisch schön den treibenden Rhythmus und den von Zwischenrufen und Einwürfen geprägten Text.

„Go Rilla“ ist neben „Blindmaker“, „Head Sonata“ und „Time Is Your Gun“ bereits die vierte vorab veröffentlichte Single des im kommenden März erscheinenden und lang erwarteten Debut-Albums Beautiful Sadness. Für die beiden Monate nach dessen Release stehen auch schon stolze 20 Tourtermine in ganz Deutschland fest.