#zweiraumsilke: HipHop-Kollektiv mit Wumms

Jung, voller Energie und mutig genug, sich an neue Ideen heranzutrauen: #zweiraumsilke beweisen, dass man mit einer gehörigen Portion HipHop-Coolness, sympathischem Auftreten und nicht zuletzt einer tollen Band eine ganze Menge anstellen kann.

Für so einen starken Sound, wie ihn #zweiraumsilke fabrizieren, braucht es eine große Band. Hinter dem Frontduo aus Rapper und Sängerin stehen also auch noch eine Bläserfraktion, Schlagzeug und Saiteninstrumente von der E-Gitarre bis zum Cello. In ihrer fränkischen Heimat haben sie sich längst einen Namen gemacht, mit Crowdfunding-Unterstützung wurde sogar der Traum von der ersten eigenen Platte (sie trägt den schönen Titel Zielstrebig Planlos) wahr.
#zweiraumsilke toben sich quer durch die Stile – neben Rap und HipHop wagen sie sich zum Beispiel an Jazz und lateinamerikanische Musik – und wenn es darum geht, trotz einer großen Gruppe ein ausgereiftes musikalisches Zusammenspiel zu beweisen, legen sie ein ähnlich gutes Gespür an den Tag wie die Brass-HipHop-Profis von Moop Mama. In spannenden Fills zeigen die Musiker, dass sie es verstehen, das richtige Maß an Lautstärke und Akzenten zu finden und dass sie mit ihrer vielseitigen Besetzung und vor allem durch gut abgestimmtes Spiel tolle Atmosphären erzeugen können.

Fazit: Mit der Musik von #zweiraumsilke kann man ruhig mal die Leistung der Boxen ausreizen. Noch besser ist nur noch der Besuch beim Konzert. Man kann der Truppe nur wünschen, dass sie bald so richtig durch die Decke gehen.

Advertisements

Hannah & Falco: musikalisches Dreamteam

Ein Würzburger Pärchen ist drauf und dran, die deutsche Folk-Szene zu verzaubern. Hannah Weidlich und Falco Eckhof, seit anderthalb Jahren gemeinsam als Duo Hannah & Falco zu hören, zeigen mit viel Gefühl und warmem Gesang, wie schön Zweistimmigkeit klingen kann.

Mit gerade einmal 19 und 22 Jahren sind Hannah & Falco noch sehr jung in der Welt des Folk. Ihre erste EP Blind For The Moment haben die beiden noch im Musikraum einer Schule aufgenommen, herausgekommen ist nach Basteleien im eigenen Studio und Mastering von Profis in den USA allerdings eine wunderschöne, ausgereifte Zusammenstellung.
Die Songs aus der Feder von Falco Eckhof strahlen allesamt eine angenehme Gelassenheit aus. Das Duo singt die harmonischen zweistimmigen Passagen mit sanften Stimmen, sie setzen den Nachdruck nur da ein, wo er gebraucht wird und bleiben ansonsten bei ruhigen Klänge. Als Unterstützung zu Falcos Gitarre und Hannahs Mundharmonika hat sich das Duo mit der Gruppe Familiar Faces weitere junge Musiker dazu geholt, die die Stimmung der Titel schön aufgreifen und fortentwickeln, ohne die gefühlsbetonten Titel unter zu viel Instrumentalsound zu begraben.

Fazit: Hannah & Falco sind eine besondere Entdeckung, die trotz ihrer noch verhältnismäßig kurzen gemeinsamen Zeit als Duo bereits bemerkenswert eingespielt sind. Mit Blick auf die Zukunft kann man also gespannt sein, was man in den nächsten Jahren noch von ihnen hören darf.

  • Meisterwerk: auf diesem Blog natürlich Under The Radar
  • Getextet: „We are too young to give up yet“ (Blind For The Moment)
  • Umleitung: https://www.hannahandfalco.com/

Bardentreffen 2018 – Musik verbindet

Zum 43. Mal hat das Bardentreffen in der schönen Nürnberger Altstadt dieses Jahr MusikerInnen und Musikbegeisterte aus aller Herren Länder angezogen. Nach dem Startschuss am 27. Juli war die Stadt wieder einmal für drei Tage voller Musik.

Neben den offiziellen Bühnen sind die zahlreichen Straßenmusiker jedes Jahr ein Highlight des Weltmusik-Festivals: Überall bilden sich Zuschauertrauben, wenn die Musik der einen Band im Vorbeigehen langsam leiser wird, hört man schon den nächsten Trommelrhythmus von der Gruppe zehn Meter weiter. Kinder mit Blockflöte finden genauso ihre Bühne wie professionelle Bands, lokale Gruppen wechseln sich in den besonders frequentierten Ecken der Altstadt kamaradschaftlich mit weitangereisten Musikerkollegen ab. Folk, Indie, Rock, Klezmer, Dudelsack, Klassik – alles ist dabei, man sieht exotische Instrumente, hört fremde Sprachen und Skalen. Thema des Festivals ist dieses Mal „RAP – Rhythm And Poetry“. Deutsche Nachwuchsrapper wie Goldroger und #zweiraumsilke sind dabei, aber auch Gruppen wie N3rdistan aus dem arabischen Raum, Lo & Leduc aus der Schweiz, Dàimh aus Groß-Britannien oder Suistamon Sähkö aus Finnland. Sie alle zeigen, dass Sprechgesang vielfältig ist, komplex, poetisch und politisch sein kann und sich bei weitem nicht auf den viel diskutierten Gangsta-Rap mit vulgären und zum Teil diskriminierenden Texten beschränkt.

Wie immer gab es auf dem Bardentreffen viel zu entdecken. Die ein oder andere Gruppe wird hier früher oder später sicher auch einen eigenen Beitrag bekommen. Bis dahin hier schon einmal ein kleiner Eindruck vom bunten Treiben:

Alle Fotos stammen aus privater Quelle.

Hier geht’s zum Bericht über das Bardentreffen 2017.

Lutopia Orchestra: Blues-Rock zu zweit

Am Lutopia Orchestra ist vieles faszinierend. Dass sie als verheiratetes Paar gemeinsam Straßenmusik machen. Dass sie zu zweit sieben verschiedene Instrumente spielen. Dass sie Antonia und Toni heißen. Und dass sie als Duo einen so starken Blues-Rock hinlegen, wie es so manche voll besetzte Band nicht hinkriegt.

Obwohl sie aus Sibirien kommt und er aus Thüringen, haben sich die beiden im Schleswig-Holsteinischen Lübeck kennengelernt. Antonia ist im Dienste des Blues von Klavier auf E- und Kontrabass umgestiegen, er spielt Gitarre, Akkodeon, Banjo und Ventilposaune für die Soli, parallel dazu bearbeitet er ein Fußschlagzeug.
Die Musik des Duos ist nichts für Softies: Der Sound ist hart, die Stimmen der beiden rau und frech. Neben Basslines und Gitarrenakkorden im Bluesschema sind auch einige Polka-Stücke wie „Blumen für die Damen, Schnaps für die Herrn“ mit dabei und so verbreiten die beiden ordentlich Stimmung.

Fazit: So etwas wie das Lutopia Orchestra gibt es wohl nicht oft auf der Welt. Auf den ersten Blick vielleicht etwas skurril, freundet man sich doch schnell an mit dem Duo und ihrer abgedrehte Musik und lässt sich mitreißen.

 

Ein Jahr! Grund zu feiern…

Es ist kaum zu glauben: Schon ein Jahr ist rum! Am 22. Juli 2017 hat dieser kleine Blog das Licht der Welt erblickt. Tief in den Weiten des World Wide Web wurden seitdem 60 Bands und MusikerInnen vorgestellt, die Beiträge wurden insgesamt immerhin stolze 3.242 mal geklickt und 402 mal gelikt und 1.122 Menschen haben einen Blick unter den Radar riskiert. Obwohl dieser Blog noch vergleichsweise jung ist, hat er sich in den zwölf Monaten fantastisch und viel besser entwickelt als erwartet. Der Dank gilt deshalb all den Leuten, die regelmäßig vorbeischauen, aber auch denen, die zufällig hergefunden und sich etwas umgeguckt haben, außerdem den Künstlern, mit denen im Laufe der Zeit teilweise sehr nette Kontakte entstanden sind. Zeit für einen kleinen Rückblick auf die Beiträge. Hier folgen die Top 15 in der Reihenfolge, in der sie erschienen sind.

  1. Beirut
    Schwer zu beschreiben aber großartige Gruppe. Das Genie hinter dem Gemisch aus Weltmusik, Balkanpop, Folk, Chanson und verschiedensten anderen Stilen ist Zach Condon (Gesang und Trompete).
  2. The Roots
    Für die HipHop-Freunde. Stimmungsreich und musikalisch top. Schon jetzt legendär in ihrer Rolle als Hausband von Jimmy Fallon.
  3. Unknown Mortal Orchestra
    Düster und etwas undurchsichtig, aber sehr zu empfehlen!
  4. Jesper Munk
    Feinster Blues. Tolle Stimme. Super Gitarrist. Viel mehr braucht man gar nicht sagen.
  5. Max Prosa
    Ein Singer-Songwriter, der sich von der Welt bewegen lässt. Die Liedtexte sind gut gereimt, bedeutungsvoll und lyrisch. Kein Wunder, dass er nebenher auch einen Gedichtband verfasst hat. Mit Heimkehr hat er dieses Jahr außerdem sein viertes Album rausgebracht (lohnt sich!).
  6. Tim Vantol
    Der Folk-Rocker und Singer-Songwriter bringt eine aufbauende Prise politischen Idealismus mit. Durchdachte Texte, Mitsinghymnen und ein Mensch, der es vermag, den Augenblick zu schätzen.
  7. The Magic Mumble Jumble
    Die frische Ladung Happiness und Peace bekommt man von der achtköpfigen Hippieband The Magic Mumble Jumble. Die bunte Truppe um Sänger und Flügelhornist Paul Istance wartet mit Ohrwurmpassagen, Jazzsoli und fantastischen Texten mit Message auf.
  8. Moop Mama
    Wenn ein Rapper mit einer Marching Band gemeinsame Sache macht, entsteht ein richtig fetter Sound. Moop Mama wagen sich an politische Themen, und jedes einzelne Mitglied liefert neben guter Laune auch noch klasse Musik ab.
  9. KONGOS
    Alternativer Rock aus Südafrika, auf die Beine gestellt von drei Brüdern. Ein Stück wie „Come With Me Now“, das sich nach einem Akkordeon-Intro in einen Rocksong verwandelt, hat man vorher selten gehört.
  10. Sarah Lesch
    Sagt, was sie denkt. Oder besser: singt, was sie denkt. Sehr kritisch und direkt aber auch sympathisch und voller Energie.
  11. Sona Jobarteh
    Etwas zum Runterkommen. Afrikanische Klänge und die Kora als traditionelles Instrument.
  12. The Dead South
    Die Bluegrassband, die einen ohne große Komik zum Schmunzeln bringt. Dresscode passend zum Genre (schwarz-weiß, Hosenträger, Hut). Beim Musikvideo zu „In Hell I’ll Be In Good Company“ gern mal auf den Hintergrund achten.
  13. Seraleez
    HipHop meets Jazz. Eine Frontfrau mit starker Stimme und starken Texten, musikalisch unterstützt von Jazzmusikern.
  14. Catfish and the Bottlemen
    Eigentlich Indie-Rock. Aber auch das schöne „Hourglass“, das mit seiner ruhigen, akustischen Aufmachung etwas aus der Reihe fällt und einem lange nicht mehr aus dem Kopf geht.
  15. Tina Dico
    Viele Gänsehaut-Titel, besonders durch Zweistimmigkeit und schwermütig-schöne Harmonien.

Zu guter Letzt noch einmal ganz herzlichen Dank an all diejenigen, denen es gefällt, was hier so verzapft wird! Neue Tipps oder Anfragen von Bands können wie immer gern über das Kontaktformular oder per Mail geschickt werden, es wird alles angehört.

Robert Horace: Songs für den Sommer

Ein bisschen Folk-Pop bei gutem Wetter mit einer guten Portion Glückseligkeit in der Brust, dafür sind die Songs von Robert Horace die richtigen.

Robert Horace hat sich musikalisch in Berlin angesiedelt und bereits den ein oder anderen Track aufgenommen. Die Titel sind auf Bandcamp, aber auch bei verschiedenen Auftritten zu hören.
Als Solokünstler begleitet sich Robert Horace selbst auf der Gitarre. Die Picking-Muster in seinen Songs sind dabei eine schöne Ergänzung zu seiner weichen, wenn auch bestimmten Stimme, die der feste Anker der Songs ist. Obwohl Horace kein Rhythmusinstrument zur Verfügung hat, fehlt den Liedern nichts. Die rhythmisierte Gitarrenbegleitung reicht aus, um die Lieder in Bewegung zu halten und ihnen einen gewissen Schwung mitzugeben.

Fazit: Nur mit Gitarre und der eigenen Stimme bewaffnet, überzeugt Robert Horace durch Ausdruck im Gesang, Melodien, die im Kopf bleiben, und ein rundes Gesamtpaket.

Farafi: bewegende Weltmusik

Farafi gelingen ein einzigartiges Zusammenspiel zweier Stimmen. Durch die ungekannten Instrumente und die fremde Sprache geht von ihrer Musik eine besondere Faszination aus.

Hinter Farafi stehen die beiden Musikerinnen Darlini Singh Kaul und Joy Tyson und ihre Band. Die beiden Sängerinnen gründeten Farafi 2013 in Indien. Gemeinsam sind sie entweder als Duo oder mit Unterstützung der Band international sowohl auf Bühnen als auch als Straßenmusikanten zu hören und tragen damit einen besonderen Vibe in die Welt.
Ihre Lieder spielen sie auf traditionellen Saiten- und Rhythmusinstrumenten. Die beiden Frauen singen zweistimmig und strahlen dabei eine bemerkenswerte Ausgeglichenheit und positive Energie aus.

Fazit: Farafi zuzuhören tut gut. Die beiden harmonierenden Stimmen entspannen, die Instrumente und verleihen dem Ganzen einen exotischen Klang.

AVEC: Schönheit liegt in der Einfachheit

Leichter Gitarrenpop mit sanft schwebender Stimme: Die Musik der österreichischen Sängerin AVEC fühlt sich ein bisschen so an, wie einer durch die Luft segelnden Feder zuzusehen.

Den Zugang zur Musik hat AVEC schon im Kindesalter für sich entdeckt. Begleitet von einer musikalischen Familie lernte sie Geige und Gitarre. Wie sie als Kind die Welt wahrnimmt, wird später Thema ihrer Songs. Ihr Album What If We Never Forget kam 2016 als Follow-up zu ihren ersten EPs auf den Markt.
AVECs Lieder sind allesamt recht schlicht und einfach gehalten: dezente Gitarrenpatterns, vereinzelte Backing Vocals oder eingestreutes Schlagzeug. Was die Musik besonders macht, ist die zarte, fast fragile Stimme der jungen Sängerin. Ihr Gesang steht im Mittelpunkt ohne darum zu kämpfen, die Töne sind manchmal nur gerade so dahingehaucht.

Fazit: Das Album What If We Never Forget lohnt sich für Freunde der schlicht-schönen Musik. Ohne großes Aufhebens, dafür melodisch und mit viel Gefühl.

 

Cressy Jaw: Trio mit Biss

Ein bisschen Weltverbesserertum bekäme uns wohl allen gut in diesen Tagen. Schon in den Startlöchern für diese bessere Welt stehen drei musikbegeisterte Gießener Jungs. Wer also gleich heute loslegt, um die Probleme unserer Gesellschaft anzugehen, der bekommt von Cressy Jaw den passenden Soundtrack dazu.

Gegründet 2009 von drei Brüdern, hat die Band inzwischen einiges vorzuweisen: zwei EPs und mehrere selbstgebrannte Demos, Touren durch Deutschland, die Niederlande, Ungarn und Polen, ein Album. Nach einem Besetzungswechsel besteht das Trio seit 2014 unverändert aus Alex (Lead-Gesang, Gitarre), Basti (Gesang, Bass) und Arne (Schlagzeug).
In ihren Texten verarbeiten Cressy Jaw unter anderem ihre Gedanken zu Klimawandel, Kriegen und der Verlagerung nach rechts, die sie in Europa beobachten. Auch Kapitalismuskritik findet einen Platz in ihren Songs. Doch Cressy Jaw machen nicht nur den Mund auf, sondern packen auch selbst mit an: Konzerte für Amnesty International, Viva Con Agua und eine ganze Reihe anderer Bündnisse haben sie schon gespielt und bei ihren aktuellen Gigs unterstützen sie eine Petition von Oxfam. Passend zu den Texten verzichtet die Band auch in den musikalischen Strukturen auf simple Popkadenzen, dafür gibt’s ein bisschen Dramatik, anklagende Töne, vielleicht eine Spur Schwermut aber genauso aufbauende Beats und Basslines und Gitarrenriffs, die im Ohr bleiben. Dass die Jungs beim Schreiben ihrer Musik schon Bock auf die energiegeladene, laute Show haben, hört man schon auf den Aufnahmen.

Fazit: Cressy Jaw ist eine Band, die für ihre Überzeugungen einsteht und die es sich zum Ziel gesetzt hat, durch die Musik und auch darüber hinaus Aufmerksamkeit auf kritische Themen zu lenken.

Albin Lee Meldau: Soul-Pop mit Gefühl

Der schwedische Sänger Albin Lee Meldau, Jahrgang 1988, hat zwar erst vor zwei Jahren seine erste EP veröffentlicht, ist aber schon international unterwegs und hat vermutlich noch einen bedeutenden Weg vor sich.

Nach seiner Debut-EP Lovers 2016 hat der Musiker mehrere Singles, eine zweite EP und vor nicht einmal einem Monat sein erstes vollständiges Album herausgebracht. In der nächsten Zeit tourt er in seinem Heimatland und in Großbritannien, ab Ende Oktober ist er in Deutschland zu sehen.
Albin Lee Meldau schreibt Poptitel ohne viel Aufregung, hat dabei eine soulig Stimme und zeigt viel Emotion. Die Songs sind melancholisch, teilweise fast düster und trotzdem melodiös. Meldau wartet mit einem Spektrum auf, das von klassischem Gitarrenpop bis zu elektronisch-moderner Musik reicht. Seine Raum einnehmende Stimme verleiht dem Ganzen dabei seinen Wiedererkennungswert.

Fazit: Albin Lee Meldau ist ein spannender Künstler, der gerade erst am Anfang seiner Musikerkarriere steht. Wenn er das Tempo beibehält, mit dem er zur Zeit neue Musik fabriziert, dürfte er bald auch in größeren Kreisen Aufmerksamkeit erhalten.